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„Risse“-Autoren stellen 20. Ausgabe vor

30.05.2008 Ostsee-Zeitung von Gerd Richardt


Rostock (OZ) Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. „Risse“, die in Rostock halbjährlich erscheinende Zeitschrift für Literatur in MV, stellt heute Abend im Rostocker Literaturhaus Kuhtor ihre 20. Ausgabe vor. Im letzten Herbst hatten die Herausgeber – der Verein zur Förderung neuer Literatur in Mecklenburg-Vorpommern – mit Nummer 19 zutreffenderweise das zehnjährige Bestehen der Literaturzeitschrift begangen. „In der Reihe waren bislang Texte von insgesamt 170 Autoren zu lesen“, wie die Leiterin des Literaturhauses, Katinka Friese, bilanziert.

Der Anspruch der Sammelbände ist kein geringer: Sie sollen den jeweils aktuellen Stand des literarischen Lebens in unserem Land spiegeln. Drei Viertel davon sind im aktuellen „Risse“-Heft der Prosa und Poesie, auch Bühnentexten und Essays von 14 Autorinnen und Autoren vorbehalten. Neue Bücher, die jüngst hierzulande erschienen sind, werden in Kritiken und Annotationen vorgestellt. Für all das sind lediglich 100 Buchseiten für das Redaktionsteam um den Rostocker Literaturwissenschaftler Dr. Wolfgang Gabler mit Sicherheit eine Herausforderung. Zumal auch jedes Mal einige talentierte Nachwuchsautoren ausgewählt werden, neben bisher unveröffentlichten Texten gestandener Schriftsteller, von denen manche schon in vielen „Risse“-Bänden vertreten waren.

Heute Abend werden drei Beiträger des neuen Heftes, Christa Richter, Uta Kindermann und Barbara Nieszery, aus ihrem Repertoire lesen. Von der 1992 in Rostock geborenen Christa Richter – der Jüngsten im Bunde – wurden drei Gedichte in den Sammelband ausgenommen. Wie sie ist auch der Sanitzer Danny Michelsen, Jg. 1988, noch Gymnasiast. Beide lassen Talent aufblitzen.

1958 schrieb der damals als Schriftsteller noch namenlose Hermann Kant eine Geschichte, die erst jetzt in „Risse“ erstmals abgedruckt wurde, wie Gabler sagt. Lange vor seinem Bildungsroman „Die Aula“ (1965) und selbst vor seinem Debüt-Band „Ein bisschen Südsee“ (1962) entstand 1959 „Der Glasberg“. Gabler: „Den köstlichen Text hatte Kant tatsächlich aus den Augen verloren.“ Hermann Kant (Jg. 1926), als langjähriger Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbands umstritten – lebt in der Nähe von Neustrelitz. Zuletzt hat er 2005 den Roman „Kino“ veröffentlicht. Mit seinem Heldenmärchen eines Elektrikers in einer mecklenburgischen Kleinstadt, der im Haus eines giftigen Apothekers den bösen Kurzschluss besiegt, bietet die Literaturzeitschrift einen Auftakt nach Maß.

„Risse“-Leser erwarten natürlich auch wieder Texte der Urgesteine Kurt Scharf, Wolgast, und Jürgen Landt, Greifswald. Sie werden nicht enttäuscht sein. „die alte frau schlägt die eiskarte zu“, beginnt Landt einen bitterbösen Text – die Geschichte einer Partnerschaft ohne Partner. Einer normalen Ehe eben. „Ja, schau, ich kann darüber schreiben“ dichtet Scharf in einem seiner drei klassisch gebauten Sonette.

 

 

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