Startseite

Editorial

Um die Ecke denken 
Das Schicksal und das Glück – sie lauern immer gleich um die Ecke. Und im 
neuen Heft der Risse, das um dieselbe mit neuer Literatur aus allen Ecken und 
Enden MVs denken möchte. Vierzehn Autorinnen und Autoren eckten bei uns an. 
Die Lyriker:innen sind in der Überzahl: Marianne Beese nimmt uns mit an einen 
Grenzbahnhof, Steffen M. Diebold kennt „an und für sich […] ja keine Angst“, 
Ulrich Grasnick entführt uns aufs Fischland, Stephan Langhans bietet Elektran
tenmusik, Holger Lehmann sucht Ecken im Runddorf, Arno Reis findet Ruhe in 
diesem moment, während Johanna Sailer die dunklen Ecken der Kindheit auslo
tet und Anke vom Sund Im urbanen Nichts stochert. Auch die Prosa hat schick
salhafte und glückliche Ecken und Kanten: Geräuschvoll geht es bei Burkhard 
Bartsch zu, Jürgen Landt beobachtet Zugvögel und Anne Martin „die Wucht der 
Ecke aus gerundetem Glas“, indes Beat Mundwiler „Was ist die Ecke ohne Run
dung?“ fragt, derweil Bernd Schick den letzten Wohnsitz von Ezra Pound besucht 
und Erik Wind Das Korrekturkabinett inspiziert. Erich Kästner würde sagen: „An 
jeder Ecke konnte etwas passieren.“ 
Ecken in Serie und eine Passion für Strukturen finden sich in den Grafiken des 
Rostocker Künstlers Paul Seko. Die Rubrik LESERBRIEFE ist in diesem Heft um
fangreich: Uns erreichten viele Rückmeldungen zur Nummer 55 zum Thema 
WAHNSINN und zu unserem Sonderheft zu Wolfgang Gabler – Sammelwut, Lob 
und Dank, aber auch Kündigung und Kritik –, die wir gern abbilden. Ein unge
wöhnliches WIEDERGELESEN zu Bertolt Brecht, das sich gewaschen hat, schrieb 
uns Helmuth Lethen, der von 1996 bis 2004 den Lehrstuhl für Neueste Deutsche 
Literatur an der Universität Rostock innehatte. In WIDERGELESEN streiten sich 
Euphoricus und Dysphoricus um den Goldstrand von Katerina Poladjan; die LI
TERATURKRITIK widmet sich Büchern von Peter Wawerzinek, Helene Bukowski 
und Barbara Honigmann und der Lyrik von Kai Pohl und Bertram Reinecke.

Trauer um Dysphorica
Eine entsetzliche Lücke hinterlässt der Tod von Martina Bade. Die Direktorin 
der Stadtbibliothek Rostock war ein bekennender Bücherwurm, eine passionierte 
Vielleserin, die nicht nur Rezensionen für die Risse geschrieben hat, sondern 
über viele Jahre hinweg inkognito als Teil des fluiden Kritikerpaares der Rub
rik WIDERGELESEN eine sehr wichtige und geschätzte Beiträgerin unserer Zeit
schrift war. Wir dürfen verraten: Martina Bade war häufig und mit Vorliebe die 
positionsstarke Dysphorica. Wir erinnern an sie mit einem Nachruf von Steffen 
Bockhahn und dem Nachdruck eines Gesprächs aus dem Jahr 2020, in dem sie 
sich eindrücklich für die Bibliothek als „Dritten Ort“ einsetzte. Sie fehlt.

Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern
Der alle zwei Jahre ausgelobte Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern würdigt 
und unterstützt das herausragende literarische Schaffen von Autor:innen in 
und aus MV. Organisator:innen sind das Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, das 
Literaturhaus Rostock, das Koeppenhaus in Greifswald, die Risse sowie der Lite
raturRat MV e. V. Im Herbst 2026 wird der Preis zum siebten Mal vergeben: Eine 
dreiköpfige Fachjury wählt auf Grundlage anonymisierter Einsendungen fünf 
Autor:innen aus, die ihre Texte während einer Festveranstaltung zur Preisverlei
hung (und im Livestream) am 7. November 2026 in Neustrelitz vorstellen. Neben 
dem Jurypreis werden zwei Publikumspreise vergeben. Wir wünschen insbeson
dere den Risse-Autor:innen viel Erfolg!

Have a break
Nun unterbrechen wir die Aktivität, um nach vorne zu blicken. In der Ruhe liegt 
die Kraft: Wir machen Pause. Hin und wieder sollte man sich eine gönnen. Wir 
legen eine ein. Das Thema für Heft 57 lautet also: PAUSE. Rast und Ruhe, Aus
zeit und Erholung, Unterbrechung und Zwischenzeit, auf dem Pausenhof und 
im Pausenraum: Von der Arbeits- (über die Denk-, Halbzeit-, Kaffee-, Mittags-, 
Schul-, Sende-, Sommer- wie Winter-, Spiel-, Theater- oder Toiletten-) bis hin 
zur Zigarettenpause ist vieles – pausenlos – denkbar. Wer lieber an Blaupause, 
Lichtpause und Pauspapier denkt, liegt auch nicht falsch. „Verschiebe nicht auf 
morgen, was genauso gut auf übermorgen verschoben werden kann“, rät Mark 
Twain. Wir aber sagen: Autor:innen in und aus MV, die nicht gerade pausieren, 
sollten uns ihre Einsendung zum Thema „Pause“, wie immer im weitesten Sinne, 
bis zum 15. September 2026 rüberschieben. Unveröffentlichte Texte bitte bevor
zugt per E-Mail an redaktion@risse-mv.de.

Anne Blaudzun


Risse e.V., Arno-Holz-Straße 1, 18057 Rostock
IBAN: DE73 1305 0000 0200 0598 90 / BIC: NOLADE21ROS
Kontakt|Impressum|Datenschutz|Bestellen