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Editorial

Dieses Heft ist ein Fall für sich, möchte ich behaupten, doch schon klingeln die Einwände der aufmerksamen Risse-LeserInnen in den Ohren: So könne man das nicht sagen, denn die Hefte, die bis zu diesem in all den Jahrzehnten bereits erschienen, stünden doch auch für sich und würden problemlos jeweils den Einzelfall einfordern können. Zu bestreiten hätte ich nichts an diesem Einwand, weshalb ich die einführende Wortgruppe auch nur im Zusammenhang mit dem Heftthema stehen lasse. Interessanter als diese unnötige Einlassung sind die Texte, die unsere Risse-AutorInnen zum Heftthema beitrugen und von denen einige, nach unserer redaktionellen Auswahl, in diesem Heft veröffentlicht werden.

Raifa Al-Masri hat ein hocharabisch verfasstes und in Strophenzahl und Bedeutungsebenen unvollständig übersetztes Gedicht beigetragen. Anne Martin fragt sich, ob Wittgenstein wusste, dass um drei Uhr Kuchen gegessen werden könnte. Regina Raderschalls Phönix steigt nicht auf, auch wenn die Asche gefilmt und dokumentiert ist. Jürgen Landts Menschen fallen und sprengen und springen und hängen. Vier Fallberichte schreibt Kurt Scharf, jeweils eigenständig in Form und Inhalt. Einen Fall beschreibt Everest Girard, als ob Worte ihren Beitrag leisten könnten. Und Damian Generiert geniert sich nicht, die Worte nicht nur durch die Zeilen fallen, sondern fast schon stürzen zu lassen. Steffen Dürre hat alte Negative belichtet, eingescannt und überarbeitet. Das Ergebnis bildet den Fall dieses Heftes in seiner grafischen Umsetzung.

Die Gewinnertexte zweier Schreibwettbewerbe vervollständigen den literarischen Teil. Das Christophorusgymnasium hat unter seinen SchülerInnen den Schreibwettbewerb Hochstabler veranstaltet. Laszlo Jireschs Siegertext findet sich in diesem Heft genauso wie der Siegertext des Stralsunder Lyrikers André Hatting zum Schreibwettbewerb Die Freiheit ist ja da, anlässlich des sich zum dreißigsten Mal jährenden Mauerfalls, veranstaltet vom LiteraturRat M-V und den Rissen.

Emily Grunert wird im Interview zu ihren Eindrücken als derzeitige Programmleiterin des Literaturhauses Rostock befragt. Euphoricus und Dysphoricus besprechen den neuen Dorfroman im Detail und stellen fest, dass man mehr bejubeln und bemängeln kann, als sonstige Kritiken im schönen Gleichschritt mit dem Werbewirbel des Verlags. Eine gespannte Lektüre wünscht in jedem Fall die Redaktion, nicht ohne das Thema des Frühjahrsheftes anzukündigen:

Ist es der Herr der Fliegen, oder Odins Blutsbruder Loki in Gestalt einer Fliege, der mit euch AutorInnen Schabernack treibt? Oder ist es die Aufforderung, der Flüge folgen sollen? Wir schauen jedenfalls in den Südhimmel zum Sternbild, rücken unsere Querbinder und Oberlippenbärte zurecht und fragen: Welche Worte beflügeln das Thema FLIEGE? Die Redaktion ist gespannt und schlägt sieben auf einen Streich – mindestens.

Einsendeschluss ist der 1. Februar 2020.

Jens Lippert


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